Warenkorb

Sei doch mal normal!

Bis vor Kurzem vertrat Modezar Karl Lagerfeld noch den Standpunkt: “Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Gut, dass er sich mit einer weiteren Aussage in Sicherheit vor Kritik an dem Stil- und Sinneswandel brachte, den man in seiner neuen Herbst/Winter-Kollektion zu sehen bekommt: “Was ich sage, ist nur gültig, wenn ich es gerade sage.” Denn unter den neuen Designs, die passenderweise einen im Chanel-Look designten Supermarkt als Laufsteg-Location hatten, sieht man nun plötzlich lässig-luxuriöse Jogginghosen. Ganz im Sinne von Madame Chanels “Luxus muss bequem sein, sonst ist es kein Luxus” und natürlich „très chic“. Aber eben auch „très casual“!

https:::www.flickr.com:photos:fashionweekbydilia:8413294964:in:photostream:

Was da zur Zeit los ist in der sonst so schillernd-glamourösen Modebranche?

https---www.flickr.com-photos-saracimino-8007172575-in-photostream-Normcore natürlich! Laut Wikipedia versteht man darunter den momentan allzeit präsenten Unisex-Trend, „der sich durch unauffällige, durchschnittliche Kleidung auszeichnet“. Zusammengesetzt aus “normal” und “hardcore”, umschreibt “Normcore” also das „strikte Normalsein“, Mainstream-Mode, die nicht aus der Masse herausstechen, sondern in ihr verschwinden will. Allerdings stecken dahinter keineswegs Modegegner, die jedes x-beliebige Outfit anziehen würden. Hier geht es vielmehr um Pseudo-Understatement. Denn Normcore-Fans kaufen ganz bewusst unauffällige Kleider, die über scheinbar dezent, aber dennoch gut sichtbar angebrachte Label Status und Stil vermitteln sollen. Damit reagieren sie auf ein modisches Übersättigungsgefühl durch die immer kurzlebigeren Modetrends und sagen allen modischen Paradiesvögeln und Hipstern den Kampf an.

Doch da haben sie die Rechnung ohne die Mode gemacht, denn deren ungeschriebene Regel besagt: Auf einen Trend folgt ein Gegentrend folgt ein Gegentrend. Und so kam es, wie es kommen musste: Normcore, der eigentlich gar kein Trend sein wollte (doch wie King Karl so treffend anmerkt: „Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.”), bekam seinen Gegenspieler “Glamcore”. In der Hauptrolle: Prinzessinnen-Kleider, Tüll-Röcke, exzentrische Muster und ganz viel Bling Bling – und das wird natürlich ganz selbstverständlich zum Bäcker genauso wie zum High Fashion Event getragen!

Zeit, sich mal wieder zu fragen: Und wo stehe ich? Welcher Trend passt zu mir oder tut es überhaupt einer der beiden?

http:::commons.wikimedia.org:wiki:File:Katrantzou_dressIch für meinen Teil liebe Mode genau deshalb, weil sie mittlerweile zwar unglaublich kurzlebig, aber dabei gleichzeitig auch vollkommen frei ist. Heute kann ich den Leo-Mini zum Statement-Collier kombinieren, morgen fühle ich mich pudelwohl in Skinny Jeans und dem Cashmere Pulli meines Freundes. Da Neon, dort Total Black, erst sportlich, dann sexy – oder alles zusammen. Das hat durchaus nichts damit zu tun, dass ich keinen eigenen Stil hätte oder noch auf der Suche nach meinem modischen Selbst bin – ich weiß, wer ich bin und was mir steht. Aber gerade als selbstsichere, moderne Frau will ich mich nicht auf nur eine Option festlegen, sondern alle meine Freiheiten genießen und ausleben. Wenn das im Alltag schon nicht immer und überall möglich ist, dann doch zum Glück in meinem Kleiderschrank! Denn Coco Chanel hatte zwar absolut Recht – „Luxus muss bequem sein“ –, aber zum Glück ist der Look, in dem wir uns jeden Tag aufs Neue wohl fühlen, jedem selbst überlassen und komplett individuell. Genau das will und ist die Mode – und genau dafür lieben wir sie, oder?! Ich bin gespannt auf eure Comments!

Das Titelbild New York Fashion Week SS/13, September 2012 ist von flickr-Userin Dilia Oviedo (CC BY-ND 2.0

Das Bild von Olivia Palermo ist von flickr-Userin Sara Cimino (CC BY 2.0) und wurde von der Autorin zugeschnitten

Das Bild von Anna dello Russo Katrantzou dress ist von flickr-User christopher macsurak   (CC BY 2.0

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>